Geschichte der Berliner Anatomie 1713 - 1883

Die Seite im Überblick:

1713

Gründung des Berliner Theatrum Anatomicum, insbesondere zur besseren Ausbildung von Militärärzten

"Das neu aufgerichtete Theatrum Anathomicum wurde diese Woche zum erstenmahl eingeweyhet und haben Seine Königliche Majestät Dero Cammer-Laquayen, welcher an der Schwindsucht gestorben, darauf zum ersten mahl seciren laßen. (...) und zweifelt man nicht, daß diese sehr löbl. Anstalt sehr großen Nutzen mit der Zeit schaffen werde." Zeitungsbericht vom 2.12.1713

Das Theatrum anatomicum befand sich im Marstall im nordwestlichen Eckpavillon. Der Marstall stand an der Charlottenstraße, Ecke Dorotheenstraße, auf dem Grundstück der heutigen Staatsbibliothek Unter den Linden. (Ansicht von Norden)

Christian Maximilian Spener (1678-1714) wird 1713 von König Friedrich Wilhelm I., dem "Soldatenkönig", zum ersten Professor des Theatrum anatomicum berufen.

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1726

Augustin Buddeus (1696–1752, Professor ab 1723) kündigt geordnete anatomische Präparierübungen mit regelmäßigen Wochenstunden an.
Dies ist der Beginn regelmäßiger eigenhändiger Präparation für Studenten in Berlin -  bis dahin war nur demonstriert und vorgelesen worden.

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1753

Johann Friedrich Meckel d.Ä. (1714–1774) wird Professor der Anatomie des Collegium medico-chirurgicum. Das Collegium war 1723 als eine Erweiterung des Theatrum anatomicum entstanden und ist ein Vorläufer der medizinischen Fakultät.

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1803

Johann Gottlieb Walter (1734-1818), letzter Anatomie-Professor des Collegium medico-chirurgicum ab 1773, verkauft seine umfangreiche anatomische Privatsammlung an den preußischen Staat. Sie stellt damit den Grundstock für die anatomische Sammlung des späteren anatomischen Instituts der Universität dar.

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1810

Gründungsjahr der Berliner Universität. Als erster Anatomie-Professor der neuen Universität wird Karl Asmund Rudolphi (1771-1832) berufen.

Die anatomische Sammlung wird im Westflügel des Universitätshauptgebäudes Unter den Linden untergebracht.

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1827

Da der Marstall mit dem altehrwürdigen Theatrum anatomicum baufällig ist, muss die Anatomie in ein umgebautes Privathaus hinter der Garnisonkirche umziehen. Dieses "Provisorium" wird bis 1860 Bestand haben.

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1833

Johannes Müller (1801-1858) wird Direktor der Berliner Anatomie.

Müller war wohl in einer Person der Begründer der modernen wissenschaftlichen Physiologie in Deutschland und der letzte Naturphilosoph in der Medizin. "Müllers Haltung gegenüber dem Organisumus war von Ehrfurcht geprägt, sein Forschen mehr beobachtend als eingreifend. Für ihn entwickelte sich das Lebewesen durch das Walten einer Lebenskraft zu einer ganzheitlichen Gestalt. Der Gesamtzusammenhang war Müller wichtiger als der Mechanismus des Teilvorgangs. Das Experiment am Teilorganismus lehnte er ab." (Theater der Natur und Kunst. Katalog: Berlin 2000, S. 172)

Als führender Physiologe seiner Zeit hatte er viele Schüler, die dann - vom "Geist des Maschinenzeitalters" beflügelt - die wissenschaftlichen Grundlagen für die Erfolge der modernen Medizin legten. Diese Schüler waren unter anderen: von Helmholtz, Virchow, Brücke, DuBois-Reymond, Schwann, Haeckel, Remak, Henle, His, Reichert, Kölliker, Meissner. Sein großes Fachgebiet an der Berliner Universität wurde erst nach seinem Tod in drei Professuren aufgeteilt: für Anatomie (Reichert), Physiologie (DuBois-Reymond) und Pathologie (Virchow).

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1865

Unter dem neuen Direktor Karl Bogislaus Reichert (1811-1883) erfolgt der Einzug in den Neubau des Anatomischen Instituts im Garten der Tierarzneischule. Das Gebäude wird - nach diversen Umbauten - noch heute genutzt.

 

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