Tagungsband

Der Workshop ist abgeschlossen. Wir danken allen Referentinnen und Teilnehmern für spannende, anregende und aufschlussreiche Referate und Diskussionen.

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Wissenschaftlicher Workshop

Sammeln und Bewahren, Erforschen und Zurückgeben -
Human Remains aus der Kolonialzeit in akademischen und musealen Sammlungen

4.-6. Oktober 2012 in der Anatomie der Charité, Berlin


In vielen Ländern Europas rückt augenblicklich die Kolonialzeit stärker ins Bewusstsein der öffentlichen Wahrnehmung. Dabei gerät unter anderem eine Praxis der Wissenschaft um 1900 in den Blickpunkt: das Sammeln von einzelnen Schädeln oder ganzen Skeletten für eine wertende und hierarchisierende physische Anthropologie. Wesentliche Impulse für eine intensivere Auseinandersetzung mit der anthropologischen Sammler- und Sammlungsgeschichte, wie auch mit den wissenschafts- und kolonialgeschichtlichen Hintergründen, ergeben sich insbesondere aus den Forderungen nach Rückgabe dieser sterblichen Überreste (human remains). Diese werden seitens der Nachkommen betroffener Ethnien oder, in deren Vertretung, von politischen Institutionen der sie repräsentierenden Länder zunehmend an Sammlungen und Museen gestellt. Damit begegnen sich in aller Regel Werte- und Wissenskontexte, die nicht von Vornherein miteinander kompatibel sind oder auch nur die gleiche Sprache finden. Zudem erweist sich nicht selten der Dokumentationsstand der in Frage stehenden human remains hinsichtlich Provenienz und individueller Zuordnung als dürftig, disparat und meist als für die rückfordernden Interessensgruppen enttäuschend.

Aus diesem Grund setzt sich eine DFG-geförderte Forschergruppe an der Charité unter dem Titel Charité Human Remains Project exemplarisch mit einschlägigen Sammlungskonvoluten auseinander mit dem Ziel, Recherchepfade zu erproben, Herkunftsfragen zu klären, Sammlungskontexte zu erhellen und – gemeinsam mit anderen Interessierten – Empfehlungen für den Umgang mit derartigen Anfragen und mit den vorhandenen problematisierten Sammlungen zu entwickeln. Vor diesem Hintergrund veranstaltet das Charité Human Remains Project einen Workshop vom 4.–6. Oktober 2012 am Centrum für Anatomie der Berliner Charité. Wir werden uns in drei größeren Themenblöcken den aktuellen Fragen nähern. Im ersten Block werden verschiedene Aspekte der Sammlungs- und Sammlergeschichte im kolonialen Kontext vorgestellt und diskutiert; im zweiten Block werden natur-, kultur- und geschichtswissenschaftlichen Ansätze in der Provenienzforschung  vorgestellt und diskutiert; der dritte und größte Block wird sich mit bisherigen Erfahrungen mit Restitutionsprozessen sowie mit rechtlichen, politischen, kulturellen und historischen Aspekten solcher Prozesse beschäftigen und mögliche Richtlinien thematisieren. Ausgangspunkt des Workshops sind vor allem die im deutschsprachigen Raum vorhandenen (akademischen und musealen) anthropologischen Sammlungen, der Schwerpunkt wird auf dem durchaus kontroversen und jedenfalls sehr vielschichtigen Thema der Restitution liegen.